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Matthias Eckardt

Light-geprüft. Ist schlechte Lesbarkeit wirklich der letzte Schrei?

Light-geprüft. Ist schlechte Lesbarkeit wirklich der letzte Schrei?

16.02.2015     me

Ultrafeine Schriftarten, die durch das Antialiasing (Kantenglättung) so ausgewaschen wirken, als würden sie beinahe mit dem Hintergrund verschmelzen, scheinen im UX der letzte Schrei zu sein. Wo man auch hinschaut, sei es nun Helvetica Neue Ultra Light oder Adobes kostenlose Source Sans Pro ExtraLight.

UX-Designer mit Retina-Macs verwenden gern ultrafeine Schriften, die auf anderen Systemen oder bei niedriger Bildschirm-Auflösung nahezu unlesbar sind. Aber bei Kritik stößt man weitgehend auf taube Ohren. Denn Apple macht dies ja schließlich seit iOS 7 auch so. Was auf der Strecke bleibt, ist die Lesbarkeit. Ich habe absolut nicht gegen diese Schriften in Zeitschriften oder Websites, wenn sie als große Aufmacher eingesetzt werden. Aber als Beschriftung für Menüeinträge haben solche feinen Schriften, in 12pt oder womöglich noch in 10pt nichts verloren. Nachstehender Screenshot untermauert dies eindringlich. Die Schriftgröße 18 ist bei der Ultra-Light-Variante kaum lesbar.

Ich habe die Schrift oben im Bild auf 18pt gesetzt und man kann trotzdem nur mit Mühe die Schriftzeichen ausmachen

Probieren Sie es selbst aus. Seien Sie ehrlich, ab welcher Größe werden Semikolon und Doppelpunkt in solchen [Light-Schnitten](http://www.fonts.com/de/font/linotype/neue-helvetica/25-ultra-light) noch unterscheidbar? Erst ab etwa 32pt entwickelt die Helvetica Neue Ultra Light auch auf dem Bildschirm ihren Charme und wird lesbar. Alle Größen darunter werden durch die Schriftglättung herabgewürdigt. Nicht also, dass diese Schriften zu verdammen seien. Sie werden nur einfach viel zu oft am falschen Ort oder in der falschen Größe eingesetzt. ![Die Schriftgröße 64 zeigt, dass Ultra-Light-Variante als Überschrift einsetzbar ist. ](/assets/galleries/HelveticaNeueLight2.png "Helvetica Neue Ultra Light 64 ") In 64pt ist es plötzlich eine tolle Schrift für Überschriften

Ich bin ich mir sicher, dass sich dieser Irrweg im UX-Design in ein paar Jahren von selbst erledigt hat. Vor wenigen Jahren war ich auch der einzige, der sich über die kitschig braunen Zierleisten in schnöder Holzoptik in Apples GarageBand und später auch im iBookstore und Zeitungskiosk aufregte. Kurz vor Steve Jobs Tod bekam OS X Lion eine Lederoptik mit Fadenheftung im Kalender verpasst, die schnell wieder verschwand. Und dass das iTunes-Icon im Laufe der Jahre immer hässlicher geworden ist wollte ich an dieser Stelle erst gar nicht erwähnen. Schon die Vorversion in Blau war eine versteckte Hommage an Windows Vista und das gleiche Motiv in Rot ist nun kaum besser.

WebApp mit SourceSans Light
iCloudPages

Auch viele Web-Applikationen sind dem Pseudo-Trend erlegen und präsentieren schwer verdauliches Menü-Design

Die gewählte Schriftgröße ist in obigen Beispielen selten das Problem, wenn die Schrift nur nicht so fein wäre. Feine Schriftschnitte eignen sich nicht für geglättete Menütexte oder gar längere Textabschnitte. Häufig wurde die Schrift eben schon vor Jahrzehnten mit Blick auf Plakate oder Illustrierte und den damals üblichen Ausgabekanal Papier entworfen.
Ich warte diesbezüglich immer noch auf Ariel Ultra, denn das wäscht bekanntlich alles nicht nur sauber, sondern rein. Ich jedoch mag Sie, liebe Leser. Denn diese Website wird Ihnen mit 18pt im Lauftext präsentiert.